Auf den Morgen zu warten

Betten sind zum Liegen gemacht, da kannst du sagen, was du willst. Aber dieses hier ist schief und das habe ich nie so sehr gespürt wie jetzt. Ich sitze, atme und starre die Telefone an. Es ist alles andere als meine Uhrzeit, aber was soll ich schon tun? Meine Gedanken kreisen doch sowieso wieder nur darum, wie ich selbst dieses Fleckchen schiefer, hässlicher Zeit auf eine gute Weise nutzen kann. Nutzen.
Ich denke an dich, an die Nacht, an schiefe und an gerade Betten. Eine Bahn fährt vorbei und aus meiner Schublade tickt die Zeit. Was soll ich tun mit einem Stück Zeit, das nie richtig meins war? Ich könnte dich aufwecken, dich fragen, denn ich weiß, du weißt die Antwort. Aber warum dich wachreißen, wenn es doch gar keine Antworten sind, die ich brauche? Ich lasse dich schlafen und überlege weiter. Durch die Jalousien fällt ein erster Lichtstrahl. Dann fällt es mir ein.

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Keine Post an Sonntagen

Was für ein Anfängerfehler.

Auch in der vorlesungsfreien Zeit kann es gute Gründe geben, an einem Sonntagmorgen früh aufzustehen. Wenn zum Beispiel der Backofen völlig ungefragt ein funkensprühendes Feuerwerk absondert und im Begriff ist, die Wohnung in eine Disco zu verwandeln, dann kann das durchaus ein Grund sein, sich auch mal schon um 9 Uhr aus dem Bett zu quälen.

Oder wenn eine Sintflut mit Windstärke 13 durch die vorsorglich (zur Belüftung) offen gelassenen Fenster das Wohnzimmer entert, dann könnte man es durchaus in Erwägung ziehen, die Fenster zu schließen, bevor der Toaster anfängt zu schwimmen.

Was unter absolut keiner Bedingung auch nur der geringste Anlass sein kann, überhaupt einen Finger zu rühren, ist, wenn die Türklingel geht. Denn die Optionen, wer da draußen sein könnte, lauten wie folgt:

– Prospektverteiler

– Sonntagszeitschriftverteiler

– Sonntagszeitschriftverteiler

– Sonntagszeitschriftverteiler

Und ein lang erwartetes Paket wird von solchen Menschen nicht zugestellt. Nicht Sonntags.

Wirrwarrwelt

Ein bisschen ist es, als wäre ich noch in der Wohnung, und das, obwohl die Luft ganz anders schmeckt. Obwohl die Sonne zwischen den Bäumen hervorsticht. Obwohl der Weg unter meinen Füßen eine Straße ist.

Irgendwie fühlt sich die Schwerkraft an, als wäre sie aus Kaugummi. Nicht klebrig, sondern rosa wie der lasziv von einer Blondine gekaute amerikanische bubblegum. Die Schritte, die ich mache, sind eigentümlich nah am Boden.

Ich laufe über den Parkplatz und merke, wie die Luft um mich herum schwingt. Alles ist lebendig. Nicht nur die Bäume beugen sich stirnrunzelnd hinter meinem Rücken, über meinen Schultern. Sonorig salbadern die Autos. Insekten brummen lautlos.

Voller Resonanz schwingt das Kopfsteinpflaster.

Ich höre und weiß, dass es keine Musik ist. Aber in der Abendsonne und im Ziehen meiner Finger spüre ich die Melodie.

Gehäutet

Da haben wir nämlich den Salat. Da sitze ich um 3:13h vor dem Laptop, anstatt mich wohlig in eine Decke zu kuscheln, da ich es mir in den Kopf gesetzt habe, meinem Blog einen etwas einfacheren und professionelleren Anstrich zu verleihen.

Die Mission ist so halb gelungen, allerdings auf Kosten der Farbigkeit. Trotzdem, ein Schritt nach vorne. Demnächst wird hier vermutlich noch ein bisschen mehr gebastelt, aber erst nach einer anständigen Dosis Schlaf.

Oh, Matratze, where art thou?