Der Untergang unserer Zivilisation

Aufgewacht und sich die Birne mit Pudding wattiert. Dass Youtube es ermöglicht, 10 Stunden lange Videos hochzuladen, könnte den Untergang unserer Zivilisation bedeuten.

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EHEC?

Ich vernachlässige sträflichst meine eigene Informiertheit. Ich lese, schaue und höre zu wenig Nachrichten. ABER: Unabhängig davon, für wie aktualitätsabstinent man mich auch halten mag, es gibt doch immer Themen, die zu mir durchdringen, ob ich will oder nicht.  So bin ich über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens (Charlie Sheen wird durch Ashton Kutcher ersetzt, Sharon Stone hat lockere Latten am Zaun und Britney Spears kommt immer noch nicht so richtig auf ihr Leben klar) meist ausreichend informiert.

Zu diesen Dingen zähle ich auch die derzeit aktuellste Mode-Epidemie EHEC. Das ist doch eigentlich auch so ein Nachrichtengarant, der unaufhaltbar jedes erreichbare Gehirn penetriert. Aber was ist da nur los? Seit Tagen, fast Wochen (!) schon keine Meldungen über EHEC-Tote mehr! Werden die uns etwa schon jetzt so egal, wie es in ein paar Monaten die Zivilisten in Lybien sein werden? Das kann ich nicht hinnehmen. Irgendwo muss doch etwas über EHEC zu finden sein.

Bei meiner Suche stoße ich auf folgendes: T-Online hat eine eigene EHEC-Themenseite eingerichtet, aber selbst da ist der letzte Eintrag vom 8.7. Es ist traurig, fast beschämend. Ein wenig betrifft es mich auch, denn schließlich bin ich ja ein randständiger Teil dieses Mediensystems, dessen Aufmerksamkeitsspanne sich immer mehr der famous-Spanne eines DSDS-Gewinners annähert.

Nun gut, um ganz ehrlich zu sein, habe ich vielleicht doch eine Erklärung parat. Möglicherweise liegt es daran, dass die deutschen Behörden den Fall für aufgeklärt halten. Ägyptische Samen sollen es gewesen sein. Pff.

Mal unter uns: Ob das stimmt oder nicht, ist doch gar nicht der Punkt. Wesentlich wichtiger ist doch das verpasste Potential. EHEC hätte uns so viel geben können. So viele Geschichten, so viel latent paranoidisierender Stoff! Ich persönlich finde, dass ein Thema erst in dem Moment tot ist, in dem selbst die BILD keinen Skandal mehr daraus machen kann.

Und dieser Punkt ist doch noch lange nicht erreicht.

Von Wurzeln und Blüten

Es gibt viele Dinge, mit denen man sich die Zeit vertreiben kann. Hobbys. Freunde. Für einige Stunden kann es auch sehr erquicklich sein, sich an den Füßen rumzuspielen (die beruhigende Wirkung dieser Tätigkeit sollte wirklich in keiner Weise unterschätzt werden!). Aber auf Dauer hat das doch wenig Substanz. Mal ehrlich, wer will denn auf Dauer ständig mit brabbelnden, riechenden Entitäten aufs nächste zusammengepfercht sein?
Und betrachtet hingegen die edelgasige Reinheit klangvoller Blogosphären! Das seidige, beruhigende Geräusch tackender Tastaturanschläge! Die biblische Unschuld vielfälter Feeds und die forcierende Gewalt kämpferischer Comments!
Hier wird sich noch aufgeregt, bekämpft, hier wird noch chauveniert, defätiert und existiert. Das Internet löst den venezianischen Maskenball gesellschaftlichen Umgangs auf. Jedes Monster kann sich zeigen wie sein Zeuger es schuf. Na, wenn das nicht die Urform aller Demokratie ist?
Die Wahrnehmung dieser Rechte findet doch längst online statt, nur leider völlig unzureichend – und überwiegend wirkungslos. Wer geht denn heutzutage noch auf die Straße? Wer steht denn tatsächlich noch auf, um seine Meinung kundzutun? Oder um jemanden effektiv am Kundtun der seinigen zu hindern?
Und wer bleibt in Ruhe sitzen und hämmert, erfüllt von grimmigem Stolz, seitenweise Anschuldigungen in die Weiten des Web hinaus? Der Weg des geringsten Widerstands ist eben der zur Tastatur. Das ist so lange unbedenklich, wie er zum Ziel führt – nur, wo überhaupt das verdammte Ziel ist, das kann schon längst keiner mehr sagen. Das Internet wurde vielleicht von Menschen erschaffen, aber daraus ergeben sich noch längst keine Besitzansprüche, geschweige denn Nutzungsqualitäten.
Die Wurzel allen Übels liegt in der menschlichen Natur. Die Blüten wachsen in die Blogosphäre.