Wissenschaftliche Arbeitsweisen

Die folgenden Beweismethoden werden möglicherweise dem einen oder anderen bereits bekannt sein – sei es, weil sie schon einmal miterleben durften, wie ich ich sie aus einer anderen Quelle entwendete, oder sei es, weil sie sie wöchentlich am eigenen Leib erlebt haben.

So oder so, dieser Beitrag entbehrt keinesfalls der notwendigen Aktualität. Schließlich kann es nicht schädlich sein, angesichts sich anhäufender Plagiats- und Unwissenschaftlichkeitsvorwürfe, noch einmal in gebündelter Form darüber aufklärt zu werden, welche wissenschaftlichen Methoden überhaupt noch ohne Bedenken anzuwenden sind.

Beweis durch Beispiel

Der Autor behandelt nur den Fall n=2 und unterstellt dann, daß die Vorgehensweise für den allgemeinen Fall klar ist.

Beweis durch Einschüchterung

“Trivial!”

Beweis durch präzise Bezeichnungen

“Sei p ein Punkt q, wir wollen ihn als r kennzeichnen.“

Beweis durch konfuse Lehrkörper

Der Professor sagt A, schreibt B, meint dabei C, rechnet weiter mit D, bekommt E heraus, aber F wäre richtig gewesen.

Beweis durch überladene Notation

Am besten, man verwendet mindestens vier Alphabete und viele Sonderzeichen. Hier reicht das griechische Alphabet alleine nicht mehr aus, um engagierte Zuhörer abzuschrecken. Ein kurzer Exkurs in die hebräischen Sonderzeichen sollte aber auch den stärksten Zweifler zum Schweigen bringen.

Beweise durch Auslassen

“Die Details bleiben als leichte Übungsaufgabe dem geneigten Leser überlassen.”

“Die anderen 253 Fälle folgen völlig analog hierzu.”

“…”

“Beweis: hier nicht.”

“Den genaueren Beweisablauf behandeln wir in der Übung.”

Beweis durch Verwirrung

Eine lange, zusammenhanglose Folge von wahren und/oder bedeutungslosen, syntaktisch verwandten Aussagen wird verwendet. Während der engagierte Leser noch versucht, den roten Faden zu finden, wird er durch parallele Anwendung der ‘überladenen Notation’ verwirrt.

Beweis durch persönliche Mitteilung

“Der Tensorierungsoperator ist rechtsexakt (W. Trinks, persönliche Mitteilung).“

Beweis durch Reduktion auf das falsche Problem

“Um zu zeigen, daß dies eine Abbildung in die Menge der s-saturierten Ideale ist, reduzieren wir es auf die Riemannsche Vermutung.“

Beweis durch nicht verfügbare Literatur

Der Autor zitiert ein einfaches Korollar eines Theorems, welches problemlos nachgelesen werden kann und zwar in einem Mitteilungsblatt der slovenischen philologischen Gesellschaft, 1883. Diese Beweisführung ist völlig erschöpfend und wird seit Jahrzehnten mit Vorliebe bei schriftlichen Ausarbeitungen (siehe Literaturangaben in beliebigen Dissertationen und Habitilationen) angewandt.

Beweis durch rekursiven Querverweis

“In Quelle a wird Satz 5 gefolgert aus Satz 3 der Quelle b, welcher seinerseits sofort aus Korollar 6.2 der Quelle c folgt, den man trivial aus Satz 5 der Quelle a erhält.”

Beweis durch Metabeweis

Es wird ein Verfahren angegeben, um den geforderten Beweis zu konstruieren. Die Korrektheit des Verfahrens wird unter Anwendung einer der oben genannten Beweisführungsprinzipien unwiderlegbar nachgewiesen.

Beweis durch Scheinverweis

Nichts, dem zitierten Satz auch nur entfernt ähnliches, erscheint in der angegebenen Quelle.

Wischtechnik-Methode

Man wischt die entscheidenden Stellen des Beweises sofort nach dem Anschreiben wieder weg (rechts schreiben, links wischen).

Beweis durch Autoritätsgläubigkeit

“Das muß stimmen. Das steht so im Forster.“

Beweis durch Autoritätskritik

„Das kann nicht stimmen. Das steht so im Jünich.”

Kommunikative Beweismethode

“Weiß das vielleicht jemand von Ihnen?”

Kapitalistische Beweismethode

“Eine Gewinnmaximierung tritt ein, wenn wir gar nichts beweisen, dann verbrauchen wir nämlich am wenigsten Kreide.”

3-W-Methode

“Wer will’s wissen?”

Beweis durch Pause

“Den Beweis schaffen wir vor der Pause nicht mehr”

(Pause)

“Wie wir vor der Pause bewiesen haben…”

PS: Auch immer beliebt:

Beweis durch Gehorsam

„Herr Heyer hätte das gerne so…“

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